„Zechengeister“ von Romy Wolf

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Zechengeister | Romy Wolf | 240 S. | historische Fantasy | in Farbe und Bunt | ISBN 978-3-941864-18-4

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Klappentext

Ende des 19. Jahrhunderts geht im Ruhrgebiet Seltsames vor sich: Reihenweise fallen Menschen der „Narrenkrankheit“ zum Opfer, einem todesähnlichen Schlaf, aus dem sie nicht wieder erwachen. Die Angst ist in der Zechensiedlung allgegenwärtig, munkelt man doch, der Teufel gehe um. Der junge Bergmann Micha muss seit dem Tod seines Vaters für den Lebensunterhalt der Familie sorgen. Für dummes Gerede und Aberglauben an eine übernatürliche Welt hat er keine Zeit. Dabei kann ausgerechnet seine zwölfjährige Schwester Neni Geister sehen, und die Geschwister sind die Einzigen, die die Narrenkrankheit aufhalten könnten.

Wie es mir gefallen hat

Micha musste in seinem Leben schon einige Schicksalsschläge wegstecken: sein Vater starb bei einem Grubenunglück, das er selbst nur knapp überlebte; nach dem Tod seiner jüngsten Schwester ist seine Mutter immer noch ein nervliches Wrack, das die Familie nicht unterstützen kann; seine Schwester Neni ist aufmüpfig und treibt sich mit Ausländerkindern herum. Alles Dinge, die sie in der konservativen Siedlung zu Außenseitern machen. Doch Micha versucht angepasst zu sein und arbeitet hart in der Zeche Alba um seine Familie zu ernähren, trotz er sich jeden Tag überwinden muss, wieder unter Tage zu gehen. Als Gerüchte um die Narrenkrankheit die Runde machen, tut er sie erst als dummes Gerede ab, bis die Krankheit auch Alba erreicht – und er feststellen muss, dass Neni mehr über die mysteriöse Krankheit weiß, als sie zugeben will. Aber sie traut sich nicht, sich ihrem Bruder anzuvertrauen, da sie genau weiß, dass er ihr die Wahrheit ebensowenig wie alle anderen glauben würde.
Seit Micha die Vaterrolle einnehmen musste, ist das Verhältnis zwischen den beiden angespannt. Eifersüchtig beobachtet er, wie gut Neni sich mit ihrem Kostgänger Peter versteht, der für sie einen Ersatzbruder darzustellen scheint. Erst nach und nach wachsen sie wieder enger zusammen.

Während über Tage die Narrenkrankheit um sich greift, suchen unter Tage Jari und Falkor den Kontakt zu Micha. Er soll sie mit Neni zusammenbringen, die als Geisterseherin eine unverzichtbare Hilfe im Kampf gegen die Narrenkrankheit darstellt.
Jari und Falkor sind zu Beginn sehr mysteriös. Zwei uralte Wesen, die seit 800 Jahren tief unter der Erde leben. Als Verräter und Mörder verurteilt, ist Jari im Dunkel gefangen und Falkor als sein Aufseher mit ihm. Und gleichzeitig ist Falkor der einzige Richter, der ihn begnadigen könnte.
Es hat mir großen Spaß gemacht zu rätseln, was genau es mit ihnen auf sich hat. Ich mochte die Dynamik zwischen ihnen sehr und besonders Jari ist mir sehr schnell ans Herz gewachsen.

Themen, die in dem Roman ebenfalls eine große Rolle spielen und heute aktueller denn je sind, sind Vorurteile und Ängste gegenüber Ausländern. Micha ist zu Beginn selbst sehr vorurteilsbeladen und alles andere als davon begeistert, dass Neni mit den Kindern italienischer und polnischer Arbeiter spielt. Aber das ändert sich, als er die junge Italienerin Sofia kennenlernt, deren Schwester Opfer der Narrenkrankheit wurde und die trotz aller Verständigungsschwierigkeiten Micha und Neni bei ihrer Aufgabe so gut sie kann unterstützt. Diese Entwicklung hat mir besonders gut gefallen. Aber auch insgesamt hat Micha vom Anfang bis zum Ende des Buches eine tolle Entwicklung hingelegt, auch im Hinblick auf seine Beziehung zu Neni und seine ganze Einstellung zur Arbeit und seinem Leben.

„Zechengeister“ ist insgesamt ein sehr atmosphärischer Roman – der Autorin gelingt es sehr gut, das Ruhrgebiet und die Arbeit im Bergwerk darzustellen. Ich konnte mir das Setting immer sehr gut bildlich vorstellen. Die Geschichte ist etwas ruhiger und langsamer erzählt und lebt mehr von ihren sympathischen, runden Figuren, als von reiner Spannung. Aber dennoch hat mir der Roman sehr großen Spaß gemacht und mich beim Lesen gefesselt.

Fazit

„Zechengeister“ ist wieder eine hinreißende Geschichte von Romy Wolf, die den Leser in das Ruhrgebiet am Ende des vorletzten Jahrhunderts entführt. Sehr einfühlsam und atmosphärisch dicht erzählt sie die Geschichte des jungen Bergmanns Micha, der zahlreiche Hürden überwinden und an ihnen wachsen muss, um die tückische Narrenkrankheit aufzuhalten. Der Roman besticht ebenfalls durch die zahlreichen liebevoll ausgearbeiteten Nebenfiguren, die auf dem Papier zum Leben erwachen und mir schnell ans Herz gewachsen sind.

Jedem, der einen schaurigen Fantasy-Roman mit einem ungewöhnlichen Setting lesen möchte, kann ich „Zechengeister“ nur wärmstens ans Herz legen.

bewertung-4

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