[Montagsfrage] Wie schafft es eine Hauptfigur, sich bei dir unbeliebt zu machen?

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Die Montagsfrage stellt Svenja von Buchfresserchen.

 

Wie schafft es eine Hauptfigur, sich bei dir unbeliebt zu machen?

Generell kann ich nicht viel mit weiblichen Hauptfiguren anfangen, die darauf herumreiten, dass sie anders und besser als „andere Mädchen“ sind. Oder die extrem weinerlich, passiv und davon überzeugt sind, furchtbar hässlich zu sein, auch wenn ihnen jede männlicher Figur zu Füßen liegt. Oder Frauen, deren Leben nur noch aus ihrem Angebeteten besteht, sobald sie sich verliebt haben. Und als fette Frau nervt es mich auch fürchterlich, wenn darüber gejammert wird, wie furchtbar FETT man mit seinen fünf Kilo Übergewicht ist … (Zwar kann ich verstehen, dass gerade junge Mädchen so empfinden, aber eben weil sie genau das durch die Medien eingetrichtert kriegen und deswegen sollte man das doch nicht noch in Büchern wiederkäuen …)

Bei männlichen Figuren hasse ich es, wenn sie meinen, Frauen bevormunden zu müssen oder krankhaft besitzergreifend sind. Oder noch schlimmer: offen sexistisch. Ich habe schonmal ein Fantasybuch weggelegt, weil der Love Interest direkt bei seiner Einführung fleißig Slut und Kink-Shaming betrieben hat. Und dabei als Womanizer wieder mal wunderbar mit zwei verschiedenen Maß gemessen hat.

Generell sind natürlich homophobe oder rassistische Figuren ein absolutes No-Go, wenn es nicht gerade ein Problembuch ist, wo gerade das thematisiert werden soll.

Einiges davon kommt bei mir auch auf den Kontext an – vielleicht rechtfertigt die Vergangenheit und die aktuelle Situation auch, dass jemand sehr weinerlich und passiv ist oder dass sie sich selbst nicht als liebenswert empfindet. Dann kann ich da auch mitfühlen – aber dann muss es auch anklingen, dass die Figur das überwinden will, und es auch eine sichtbare Entwicklung gibt.

One comment

  1. mikkaliest says:

    Huhu!

    Jupp, kann ich nur unterschreiben! Auch das mit dem „fett“, denn ich bin selbst stark übergewichtig und würde mich über nur fünf Kilo Übergewicht unheimlich freuen… (Ich arbeite dran.) 😉

    Slut-Shaming ist auch ein No-Go, im Buch wie im echten Leben. Überhaupt so ziemlich alle Formen von Shaming!

    Ich habe gerade ein Buch gelesen, in der mein Lieblingscharakter in einer Szene sehr herablassend und verächtlich auf einen jungen Mann reagiert, der als eine Art Nobel-Prostituierter arbeitet (und das nur, um lebensrettende Medikamente für seine Schwester bezahlen zu können), und an der Stelle hätte ich das Buch am liebsten weggeworfen – allerdings habe ich dann noch mal darüber nachgedacht, und für diesen Charakter macht es absolut Sinn, dass er so empfindet. Zum einen, weil er mit dieser Einstellung erzogen wurde, und zum anderen, weil es selber Eunuch ist und vielleicht unterbewusst Neid empfindet? Jedenfalls war das für mich dann insofern ok, dass ich dieses Shaming zwar immer noch nicht toll fand, den Charakter aber dennoch verstehen konnte.

    HIER ist mein Beitrag für heute.

    LG,
    Mikka

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