„Deutsch fürs Leben“ – Stilratgeber von Wolf Schneider

In der Schule lernen wir schreiben – aber lernen wir gut zu schreiben? Wolf Schneider sagt: Nein! Manche Journalisten und Wissenschaftler quälen den Leser mit unverständlichen Bandwurmsätzen, packen in einen Satz so viele grammatikalische Konstruktionen wie möglich: hier ein Attribut, da noch ein eingeschobener Nebensatz und dort noch etwas Passiv. Ellenlange Sätze, die zeigen, was die deutsche Sprache alles kann – aber nicht tun sollte. In „Deutsch fürs Leben. Was die Schule uns zu lehren vergaß“ zeigt Wolf Schneider in 50 Regeln, wie es besser geht.

Über den Autor

Sprache ist sein Beruf: Wolf Schneider blickt auf eine mehr als sechzigjährige Karriere als Journalist, Sachbuchautor und Sprachkritiker zurück. Er arbeitete für die Süddeutsche Zeitung, das Magazin Stern und die Tageszeitung Die Welt. Sechzehn Jahre leitete er die Henri-Nannen-Schule und bildete dort hunderte junge Journalisten aus. Seine Sprache hat die Sprache des Journalismus mitgeprägt. Neben „Deutsch fürs Leben“ hat er noch eine Vielzahl weitere Stilratgeber veröffentlicht. 2011 wurde er mit dem Henri-Nannen-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Seine 50 Regeln basieren jedoch nicht nur auf seiner jahrzehntelangen Erfahrung, sondern auch auf den Erkenntnissen der Verständlichkeitsforschung.

Aufbau von „Deutsch fürs Leben“

In seinen 50 Regeln will Wolf Schneider die Frage beantworten: „Was tun, wenn man gelesen werden möchte?“ Die einfache Antwort lautet: Für den Leser schreiben, verständlich und attraktiv. Alles beginnt mit der richtigen Einstellung; denn nicht der Leser muss das Lesen lernen, sondern der Schreiber das gute Schreiben. Danach geht Schneider weiter vom Kleinen zum Großen. Auf die richtige Wortwahl folgt der Aufbau von Sätzen, nach den Sätzen folgen Regeln zum sinnvollen Aufbau von Texten. Ihr erfahrt, wie ihr Satzzeichen als Lesehilfen benutzen und durch Wortspiele eure Texte attraktiver macht. Und das letzte Kapitel widmet sich dem größten Problem: dem Anfang. Nur wenige Worte entscheiden darüber, ob der Leser bis zum Ende des Textes bleibt.

Schlüssig und überzeugend

In „Deutsch fürs Leben“ lernt ihr, verständliche und gefällige Texte zu schreiben – und zwar so, wie Wolf Schneider es sich vorstellt. Seine fünfzig Regeln sind schlüssig, sein eigener Schreibstil überzeugt – zumeist. An der ein oder anderen Stelle mag man anderer Meinung sein, manch ein Beispiel verfehlt seine Wirkung – aber: Als Standardwerk hat das Buch bereits einige Jahre auf dem Buckel und Sprachgewohnheiten verändern sich. Sollte man nun all seine Regeln beherzigen? Die Antwort bleibt jedem selbst überlassen; schaden tut es mit Sicherheit nicht. Und jeder, der an seinem Stil arbeiten möchte, sollte zumindest einen Blick in dieses Buch werfen.

Schneider, Wolf: Deutsch fürs Leben. Was die Schule uns zu lehren vergaß. Rowohlt Verlag. 224 Seiten.

bewertung-5

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