„Der verschollene Prinz“ von C.S. Pacat

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Der verschollene Prinz (OT: Captive Prince) | C.S. Pacat | 320 S. | Fantasy/Gay Romance | Heyne Verlag | ISBN 978-3-453-31608-9

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Klappentext

Ein geheimnisvolles Reich, eine tückische Intrige und zwei Helden, zwischen denen die Luft brennt

Eigentlich ist der Kriegerprinz Damen der rechtmäßige Erbe von Akielos, doch dann gerät er in Gefangenschaft und wird in die Sklaverei verkauft – ausgerechnet an Laurent, den Kronprinzen des verfeindeten Königreiches Vere. Laurent ist eitel, arrogant und grausam, und er steht für alles, was Damen hasst. Doch noch während er Fluchtpläne schmiedet, lernt Damen Laurent besser kennen, und schon bald weiß er nicht mehr, was wichtiger für ihn ist: Seinen eigenen Thron zurückzugewinnen oder an Laurents Seite zu kämpfen und das Geheimnis um dessen eiskaltes Herz zu lösen …

Wie es mir gefallen hat

Nach einem Verrat wird Damen als Lustsklave in das Königreich Vere verschleppt und soll dort dem Prinzen Laurent dienen, als Geschenk, das einen Friedenspakt zwischen Vere und Akielos besiegeln soll. Nur langsam begreift er, dass es eine grausame Intrige seines Bruders Kastor ist, der den Thron an sich gerissen hat, und seinen Bruder so auf die schlimmste Weise demütigen will. Denn nur in Vere wäre sein Schicksal als Prinz schlimmer als das als Sklave: in einem Krieg vor acht Jahren war er es, der den damaligen Kronprinzen, Laurents Bruder, getötet hat. So bleibt ihm keine Wahl, als seine wahre Identität geheim zu halten, sich in die Rolle des Sklaven zu fügen und im Stillen auf eine Gelegenheit zur Flucht zu hoffen. Doch sein Stolz und sein Temperament machen ihm das nicht einfach und er gerät schnell mit Laurent aneinander.

Laurent ist nicht nur auf den ersten Blick arrogant und überheblich, scharfzüngig und grausam. Den Hass, den er gegen Akielos hegt seit der Schlacht, in der sein Vater fiel und sein Bruder getötet wurde, bekommt Damen des öfteren schmerzhaft zu spüren. Auch sein Onkel, der Regent, hat seine Not mit Laurent – in zehn Monaten, wenn er 21 Jahre alt wird, soll Laurent den Thron besteigen, aber er ist mehr damit beschäftigt mit seinem Onkel im Clinch zu liegen, als sich an den Regierungsgeschäften zu beteiligen. Alles im allen kein überaus sympathischer Geselle, der nicht einmal vor Folter, sexueller Erniedrigung und Mord zurückschreckt.
Doch hinter Laurents kühler und sadistischer Maske scheint mehr zu stecken und hin und wieder blitzt es in unerwarteten Momenten auf. Aber einen wirklichen Reim kann Damen sich aus Laurent nicht macht – bis zum Ende bleibt der Prinz für ihn ein Rätsel, dass er lösen will. Und auch wenn wir im ersten Band noch weit von einer Liebesgeschichte entfernt sind, knistert es doch des Öfteren in der Luft, wenn sie aufeinander treffen.

Bis auf den Anfang des Prologs wird „Der verschollene Prinz“ aus Damens Sicht geschrieben, wodurch der Leser keinen Einblick in Laurents Gedanken erhält und er genauso mysteriös wie für Damen bleibt. Allein schon durch das Machtverhältnis zwischen den beiden Hauptfiguren sind Spannungen zwischen ihnen vorprogrammiert, aber es wird auch nicht an Intrigen gespart und an Nebenfiguren, die Damen weitere Schwierigkeiten machen. Denn einigen der Günstlingen am Hof ist er sehr schnell ein Dorn im Auge.

Ohnehin fällt es Damen sehr schwer, sich an das dekadente Hofleben zu gewöhnen, das so anders ist als das Leben in Akielos ist. Während Laurent Akielos als barbarisch ansieht, zeichnet sich doch in meinen Augen (und Damens) gerade der Hof von Vere durch seine unmenschlichen Grausamkeiten aus. Ein Beispiel von vielen ist die Behandlung der Sklaven, die gemeinsam mit Damen aus Akielos eintrafen und als Geschenke an den Regenten den Höflingen nun zur freien Verfügung stehen. Während die Sklaven, die zur Sanftheit und Ergebenheit ausgebildet sind, am Hof von Akielos gut behandelt werden und eher den Status schöner Trophäen haben, werden sie hier Opfer erniedrigender und qualvoller Spielchen, um ihre Ergebenheit auf die Probe zu stellen. Und auch andere Formen (sexueller) Gewalt kommen explizit vor oder werden angedeutet, wie die Vorliebe mancher Höflinge für knabenhafte Günstlinge oder die Schaukämpfe im Ring, die in einer Vergewaltigung gipfeln.

Ja, hier werden schwierige und heikle Themen aufgegriffen und dem Leser teils recht harte Kost serviert, aber die Darstellungen wirkten weder unbegründet noch wahllos in die Handlung gestreut, auch nicht romantisiert oder erotisch, sondern dienen dazu, das extrem sexualisierte Hofleben im Gegensatz zu der Kultur darzustellen, die Damen kennt, und wird von ihm auch durchaus als problematisch erkannt. Dennoch sollten Leser, die mit diesen Themen Schwierigkeiten haben, das Buch doch lieber meiden – wobei es aber bei weitem nicht so schlimm in „Das Lied von Eis und Feuer“ wird.

Alles in allem ist es eine faszinierende Geschichte, die mich in ihren Bann geschlagen und nicht mehr losgelassen hat, bis ich sie durchgelesen hatte – besonders positiv möchte ich hier noch hervorheben, das Homo- und Bisexualität hier als etwas vollkommen Normales dargestellt werden. Am Hof von Vere ist es sogar vollkommen normal, vor der Ehe ausschließlich gleichgeschlechtliche Beziehungen zu unterhalten, um uneheliche Kinder zu vermeiden. Das fand ich als Konzept sehr interessant, besonders da hier auch Frauen ein sexuelles Verlangen zugestanden wurde und sie ihre eigenen Günstlinge unterhielten.

Als Bonus enthält der erste Band noch eine Kurzgeschichte aus der Sicht von Erasmus, einem der anderen Sklaven, die als Geschenk nach Vere kamen. Hier erfährt man über seine Ausbildung und wie es dazu kam, dass er als Geschenk ausgewählt wurde – das ging mir auch sehr ans Herz und ich hoffe, dass es in den folgenden Bänden vielleicht noch ein Wiedersehen oder weitere Bonusgeschichten mit ihm gibt.

Fazit

Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an „Der verschollene Prinz“ herangegangen, da das Buch mir von verschiedenen Seiten empfohlen wurde. Und ich wurde wirklich nicht enttäuscht.
Damen ist ein sehr sympathischer Protagonist, mit dem ich von Anfang an mitgefiebert habe. Er ist mutig, ehrenhaft und selbstlos, wenn es darum geht, Schwächeren zu helfen. Und damit das perfekte Gegenstück zum arroganten Laurent, der für ihn  nur aus Lügen und Intrigen besteht. Aber es wird klar, das mehr hinter ihm steckt, als man auf dem ersten Blick vermutet. Wobei er jedoch verdammt gut darin ist, das zu verbergen.
Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie sich ihre Beziehung in der Fortsetzung weiterentwickeln wird.

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