„Der verlorene Thron“ von Brian Staveley

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Der verlorene Thron (OT: The Emperor’s Blades – Chronicle of the Unhewn Throne Book 1) | Brian Staveley | 752 S. | heroische Fantasy | Verlag | ISBN 978-3-453-31661-4

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Klappentext

Als der Kaiser von Annur heimtückisch ermordet wird, geht die Verantwortung für das Reich auf seine drei Kinder über. Seit acht Jahren haben sich die Geschwister nicht mehr gesehen, denn für jeden von ihnen ist ein anderes Schicksal vorherbestimmt: Kaden, der Thronerbe, wird in einem Bergkloster, fernab vom Zugriff seiner Feinde, darauf vorbereitet zu herrschen. Valyn wird auf einer abgelegenen Insel zum Elitekrieger ausgebildet, und Adare ist die oberste Ministerin am Kaiserhof. Entschlossen, den Tod ihres Vaters zu sühnen, machen sich die drei auf die Suche nach dem Täter – nicht ahnend, dass der Mord am Kaiser erst der Beginn einer gewaltigen Intrige ist, die Annur in seinen Grundfesten erschüttern wird …

Wie es mir gefallen hat

Die Geschichte wird aus der Perspektive der drei Geschwister Kaden, Valyn und Adare erzählt, wobei der Großteil aus Kadens und Valyns Sicht geschildert wird und nur ein geringer Teil auf ihre Schwester Adare entfällt.
Den Anfang macht hier doch, wie so oft in der Fantasy, ein mystischer Prolog, der in einer Art Schöpfungsgeschichte die gottähnlichen Csestriim vorstellt – und bei dem ich mich lange Zeit gefragt hatte, welche Rolle für die Geschichte er spielen wird. Aber schließlich fügte er sich doch gut ein.

Im Schin-Kloster führt Kaden seit acht Jahren ein bescheidenes, einfaches Leben und soll durch Übungen den Zustand der Vaniate, der vollkommenen Leere, erreichen. Sein neuer Lehrer Rampuri Tan treibt ihn durch seine brutalen Trainingsmethoden an seine Grenzen. Unter der immer größer werdenden Belastung fragte er danach, wie ihn dieses Leben zu einem fähigen Kaiser machen soll, und erhält eine Antwort, die er kaum glauben kann. Denn als Kaiser liegt eine größere Verantwortung auf seinen Schultern, als er bisher dachte.
Neben der harten Ausbildung, mit der er im Inneren ringt, gibt es aber auch eine äußere Bedrohung: ein unbekanntes Wesen, das auf grausame Art tötet, treibt um das Kloster sein Unwesen. Und es scheint ein Ziel zu verfolgen.

Während Kaden seine Ausbildung im Kloster erhält, steht sein älterer Bruder Valyn der Prüfung zum Kettral bevor, ein Orden besonders herausragender Krieger und Attentäter, die auf riesigen Vögeln in den Kampf ziehen. Kurz bevor er vom Tod seines Vaters erfährt, erhält Valyn die Warnung, dass eine Verschwörung gegen das Kaiserhaus im Gange ist und es auch unter den Kettral jemanden gibt, der ihm nach dem Leben trachtet. Als wäre sein brutales Training nicht schon gefährlich genug, muss er jetzt immer auf der Hut sein. Dennoch entgeht Valyn einem Anschlag auf sein Leben nur knapp – und dann geschieht ein grausamer Mord.

Kaden und Valyn sind mir schnell sehr ans Herz gewachsen, da sie sich unter extremen Situationen behaupten müssen – auch wenn die Art ihres Trainings anders ist, geht es doch körperlich und geistig an die Grenzen. Aber beide sind tough genug, nicht aufzugeben.

Von den Nebenfiguren war ich ebenfalls begeistert – es hat mich besonders gefreut, dass es so viele Vertreter unterschiedlicher Ethnien und Hautfarben gab, da sowohl im Kloster als auch bei den Kettral Menschen von gesamten Kontinent vertreten sind. Einige Figuren werden als dunkelhäutig beschrieben und Valyns beste Freundin Ha Lin, eine schlagfertige junge Frau, wird auf eine Art beschrieben, die mich an Ostasiaten erinnert hat. Zu oft ist es auch in Fantasy-Romanen so, dass die meisten Figuren weiß sind, auch wenn sie gar keinen Beschränkungen der realen Welt unterliegen und eine große Vielfalt zeigen könnten.
Ich fand es klasse, dass auch Frauen Kettral werden können und es einige starke und interessante Frauenfiguren unter den Kadetten gab. Neben Ha Lin haben mir da noch die impulsive Zerstörerin Gwenna und die stille und etwas unheimliche Schützin Annick sehr gefallen. Ein bisschen schade war es, dass es im Mönchskloster, wenn auch verständlicherweise, keine so herausstechenden weiblichen Nebenfiguren gab – dafür fand ich Kadens besten Freund Akiil, einen ehemaligen Dieb, und seinen geheimnisvollen Lehrer Tan sehr interessant.

Die Handlung wartet mit einigen überraschenden Wendungen auf, ist sehr dicht erzählt und spannend bis zur letzten Seite. Nach und nach fügt sich alles nahtlos zu einem großen Bild zusammen.
Der Schreibstil liest sich ebenfalls gut, ist manchmal etwas derbe, was aber gut zu den Figuren passt.
Der Weltenbau war auch sehr schlüssig und wartete mit einigen frischen Ideen auf. Besonders die Auszehrer fand ich sehr interessant – eine Art Hexen und Hexer, die aus einer externen Quelle Magie schöpfen können und von den meisten gejagt werden, aber bei den Kettral äußerst willkommen sind.

Mein einziger, wenn auch großer Kritikpunkt ist, wie ich oben bereits erwähnte, dass Adare nur sehr wenig vorkommt. Ihr Handlungsstrang, der sich mit dem Verräter beschäftigt, der für den Tod des Königs verantwortlich ist, nimmt gerade einmal fünf oder sechs der insgesamt 50 Kapitel ein. Dadurch fiel es mir schwer, mit ihr warm zu werden oder wirklich mitzufiebern, da die Unterbrechungen zwischen den Kapiteln so lang waren, dass ich mich erst wieder reinfinden musste, wo ich sie das letzte Mal verlassen hatte. Als Figur blieb sie dann auch eher blass und hat keine wirkliche Entwicklung durchgemacht.
Jedes Mal, wenn ich zu ihren wenigen Kapiteln kam, verging mir so ein bisschen die Lust, weiterzulesen, da ich viel lieber wissen wollte, wie es mit Kaden oder Valyn weiterging, da bei ihnen einfach viel mehr passierte, sie mir schon viel mehr ans Herz gewachsen waren und sie meist gerade in irgendeiner Klemme steckten.
Das fand ich sehr schade, da sie als Figur ein großes Potential hatte. Schließlich ist sie eine ambitionierte junge Frau mit Köpfchen, die sich in einer patriarchalischen Welt behaupten muss.

Fazit

Auf dem Backcover lautet es „Game-of-Thrones-Fans werden begeistert sein!“ (Library Journal) – auch wenn es (noch) nicht an George R.R. Martins Epos heranreicht, so muss „Der verlorene Thron“ sich doch nicht verstecken und weiß Leser wie mich, die gerne epische und gleichzeitig etwas schmutzige Fantasy lesen, wirklich zu begeistern. Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung „Thron in Flammen“, die im November 2015 erscheinen wird.

bewertung-4

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