„Ich bin kein Serienkiller“ von Dan Wells

produkt-6607

Ich bin kein Serienkiller (OT: I Am Not a Serial Killer) | Dan Wells | 384 S. | Thriller | Piper | ISBN 978-3-492-26771-7

Das Buch bei amazon und auf der Verlagsseite

Klappentext

Du spürst, da ist etwas Böses in dir. Deine Freunde behaupten, es sei bloß Einbildung. Aber du weißt es besser. Du versuchst es mit allen Mitteln zurückzuhalten. Verbietest dir selbst den Kontakt zu Mädchen, besuchst den Psychotherapeuten, hältst dich stets unter Kontrolle. Doch niemand kann dir helfen. Denn diese dunkle Gewissheit ist da. Eines Tages wird es ausbrechen. Du wirst zum Serienkiller werden. Die Frage ist nur – wann?

Wie es mir gefallen hat

„Ich bin kein Serienkiller“ wird aus der ersten Person von John Cleaver erzählt. Ein fünfzehnjähriger Junge, der im Familienbetrieb, einem Bestattungsunternehmen, aushilft und alle Eigenschaften eines Serienkillers in sich vereint. Und damit ein ziemlich ungewöhnlicher Held, der mir aber schnell durch seine analytische Art und den trockenen Humor sympathisch wurde. Er weiß, dass er ein Soziopath ist und seine Faszination für Serienkiller ein Problem darstellt, daher ist er in Psychotherapie und hat sich selbst Regeln aufgestellt, um eine Eskalation zu verhindern. Doch seine Willensstärke, dem Monster in seinem Inneren nicht nachzugeben, wird auf die Probe gestellt, als ein Dämon in der Kleinstadt Clayton eine Mordserie beginnt und einzig John ihm auf die Schliche kommt. Er muss die Wahl treffen, ob er den Dämon gewähren lässt oder sein eigenes Monster freilässt, um den Dämon zu vernichten und die Mordserie zu beenden.

Es ist faszinierend zu lesen, wie John die Gedankengänge des Serienkillers analysiert, nach seinen Schwächen sucht und plant, ihm eine Falle zu stellen. Aber nicht nur der eigentliche Jagd nach dem Mörder ist spannend, sondern auch Johns Leben an sich. Er ist in zerrütteten Familienverhältnisse aufgewachsen, hat keinen Kontakt zu seinem Vater, sieht seine Schwester kaum und auch zu seiner Mutter hat er kein gutes Verhältnis. Denn es fällt ihr schwer damit umzugehen, dass ihr Sohn nicht normal ist, und keiner von beiden kann sich in den anderen hineinversetzen. Mit seinem besten Freund Max, der ebenfalls ein Außenseiter ist, verbringt er nur Zeit, weil Freunde zu haben zu seinen Regeln gehört, damit er Normalität wahren kann. Von dem Mädchen, das ihm gefällt, hält er sich fern, da er fürchtet, eine Gefahr für sie darzustellen, wenn er sich auf sie einlässt. Sein einziger Vertrauter ist sein Therapeut, mit dem er selbst seine Erkenntnisse in der Mordserie bespricht. Bei dem Versuch, möglichst keine Gefahr für andere zu werden, lebt John ein Leben, das so gar nicht das Leben ist, was ein Teenager führen sollte.
Aber wirklich bedrückend wird es, als John endlich die Motive des Dämons versteht – denn die sind menschlicher, als John selbst es erfassen kann.

Inwieweit John hier als Soziopath treffend dargestellt wird, kann ich nicht beurteilen, da ich mich dafür mit der Thematik zu wenig auseinandergesetzt habe. Aber auf alle Fälle wirkt er sehr überzeugend und nachvollziehbar. Und es hat mir sehr gut gefallen, wie sein Therapeut immer wieder betont hat, dass seine antisoziale Persönlichkeitsstörung John nicht zu einem Monster macht, sondern dass es immer noch in seiner Hand liegt, ein guter Mensch zu sein.

Fazit

John Cleaver ist ein sehr ungewöhnlicher Protagonist, der mir trotz seiner kühlen und kalkulierten Art schnell sehr sympathisch war. Es war unglaublich faszinierend seinen Gedankengängen zu folgen und ihn gegen einen Dämon kämpfen zu sehen, der zwar einerseits wie das Monster ist, was John in seinem Inneren einsperren will, andererseits John aber in Menschlichkeit überlegen. Ein wirklich spannender Einstieg in eine Trilogie, von der ich bald mehr lesen will.

Schreibe einen Kommentar