„Der Übergang“ von Justin Cronin

9783442469376_CoverDer Übergang (OT: The Passage) | Justin Cronin | 1040 S. | Horror | Goldmann | ISBN 978-3-442-46937-6

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Klappentext

Das Mädchen Amy ist gerade einmal sechs Jahre alt, als es von zwei FBI -Agenten entführt und auf ein geheimes medizinisches Versuchsgelände verschleppt wird. Man hat lange nach Amy gesucht: der optimalen Versuchsperson für ein mysteriöses Experiment, das nichts Geringeres zum Ziel hat, als Menschen unsterblich zu machen. Doch dann geht irgendetwas schief – völlig schief. Von einem Tag auf den anderen rast die Welt dem Untergang entgegen. Und nur eine kann die Menschheit vielleicht noch retten: Amy Harper Bellafonte.

Wie es mir gefallen hat

„Lesen Sie dieses Buch!“ postuliert Stephen King auf dem Backcover – und das er so denkt, ist nicht verwunderlich. „Der Übergang“ liest sich wie ein King-Roman zu seinen besten Zeiten. Einer jener Sorte, die eine Sogwirkung entwickeln, die einen nicht mehr loslässt, bis man die letze Seite erreicht hast – ich bin durch die über Tausend Seiten förmlich hindurchgeflogen und konnte den Roman erst aus der Hand legen, als ich das Ende erreicht hatte. Der Roman hat jedoch auch ein paar kleine Schwächen, die nicht so untypisch sind für Wälzer diesen Umfangs: einige Längen, gerade zur Mitte, die sich auf die ausschweifenden Beschreibungen und Figurenhintergründe zurückführen lassen. Andererseits fiebert man aber auch gerade dadurch, dass man sehr viel über die Figuren weiß, selbst mit kleineren Nebenfiguren mit.

Der Übergang wird zu einem Großteil auktorial aus wechselnden Perspektiven erzählt, enthält jedoch auch Aufzeichnungen von Tagebucheinträgen und E-Mail Korrespondenzen. Nach und nach fügen sich so die einzelnen Puzzleteile zu einem schlüssigen Ganzen zusammen, auch wenn das Ende noch genug Fragen offen lässt, um Lust auf die Fortsetzung zu machen.

Ausgangspunkt der Geschichte ist die Suche nach dem ewigen Leben und die Erschaffung von Supersoldaten durch das US Militär. Bei dem streng geheimen Experiment NOAH wird zahlreichen Probanden, die aus dem Todestrakt rekrutiert wurden, ein modifizierter Virus injiziert, der in den Anden gefunden wurde und in der Lage ist, alle Krankheiten zu heilen und das Altern aufzuhalten. Aber gleichzeitig verändert es den Träger auf grausame Weise und verwandelt ihn in ein blutrünstiges Monster.

An zwölf Probanden ist das Experiment auf diese Weise gescheitert, als Doktor Lear beschließt, dass der nächste Proband ein Kind sein sollte.

Bevor sie Das Mädchen von Nirgendwo wurde – das Mädchen, das plötzlich auftauchte, Die Erste Und Letzte Und Einzige, die tausend Jahre lebte -, war sie nur ein kleines Mädchen aus Iowa und hieß Amy. Amy Harper Bellafonte.

(S. 11)

Im Zentrum steht das Mädchen Amy, ein ungewöhnlich aufgewecktes Mädchen, das in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Als sie sechs Jahre alt ist, wird ihrer Mutter jede Grundlage entrissen, sich noch um sie zu kümmern und aus Verzweiflung bringt sie ihre Tochter schließlich in ein Nonnenkonvent. Die Nonne Lacey nimmt sich Amy direkt an und erkennt als erste, dass sie auch jetzt bereits ein ungewöhnliches Mädchen ist. Ein Mädchen, das zu mehr bestimmt ist. Doch auch Lacey kann nicht verhindern, dass sie von FBI Agenten verschleppt und zur nächsten Probandin wird.

Der FBI Agent Brad Wolgast, der alle Probanden des Experiments rekrutiert hat, empfindet jedoch Mitleid mit dem Mädchen und beschließt, sie in letzter Minute aus den Fängen des Militärs zu befreien. Er scheitert jedoch und kann nicht verhindern, dass sie auf die Militärbasis gebracht und dem Virus ausgesetzt wird.
Doch zur gleichen Zeit bricht das Chaos aus, als es den Probanden gelingt, sich aus ihren Zellen zu befreien und über die Basis herzufallen. Mit ihrer Flucht beginnt der Untergang der Menschheit, wie wir sie bis dahin kannten. Wen die Probanden nicht gleich töten, verwandelt sich durch den Virus selbst in einen sogenannten Viral, ein vampirähnliches Monster. Eine Welle der Vernichtung rollt über den nordamerikanischen Kontinent.

Fast hundert Jahre später wird die Erste Kolonie von wenigen Überlebenden bevölkert, die sich wacker gegen die dominierenden Virals zur Wehr setzen. Durch hohe Mauern und Flutlichter, die die ganze Nacht die Dunkelheit aussperren, werden die lichtempfindlichen Virals vom Eindringen in die Kolonie abgehalten – doch die Akkus werden nicht mehr lange halten und mit Einbruch der nächtlichen Dunkelheit droht die Vernichtung.

Da steht eines Tages Amy vor ihren Toren und mit ihrer Ankunft ändert sich alles. Denn es ist Zeit für die Menschheit, auf die Suche nach der Wahrheit zu gehen und endlich zurückzuschlagen.

Der Roman hat eine andere Richtung eingeschlagen, als ich nach dem Klappentext erwartet hätte – mit vampirähnlichen Wesen und einem postapokalyptisches Setting im zweiten Drittel hatte ich nicht wirklich gerechnet. Aber nachdem ich mich in die Vielzahl der neuen Figuren eingelesen hatte und sie mir ans Herz gewachsen waren, gefiel mir die weitere Entwicklung noch besser als der Einstieg.
Doch es hatte schon – bis Amy wieder auftauchte – ein bisschen das Gefühl, nach fast 350 Seiten noch mal ein neues Buch anzufangen. Das kann für einige Leser etwas enttäuschend sein, da man durch den Zeitsprung bis auf Amy alle lieb gewonnenen Figuren verliert und Amy selbst im Vergleich zu den anderen Figuren auch noch recht mysteriös und dadurch auch etwas blass bleibt.

Fazit

„Der Übergang“ ist trotz seines Umfangs ein sehr kurzweiliger Roman, der einen von der ersten bis zur letzten Seite mitreißt. Die kleineren Schwächen machen dem Lesevergnügen da keinen Abbruch – dafür gibt es einfach viel zu viele dramatische Wendungen und Ereignisse, dass ich für die ruhigeren Abschnitte fast schon dankbar war. Zum Ende hin erschien es mir fast zu kurz, da ich es gerne noch weiter und weiter gelesen und das Schicksal von Amy und ihren Verbündeten verfolgt hätte.

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