„Das Vermächtnis der Zauberer“ von Cinda Williams Chima

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Das Vermächtnis der Zauberer (OT: The Wizard Heir) | Cinda Williams Chima | 512 S. | heroische Fantasy | Verlag | ISBN 978-3-442-26971-6

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— „Das Vermächtnis der Zauberer“ ist die Fortsetzung von „Das Erbe der Krieger“ – ich werde hier keine Details zum Ende des ersten Bandes verraten, aber wer an der Reihe interessiert ist, sollte mit dem ersten Band beginnen. Auch wenn sich die Fortsetzung gut unabhängig lesen lässt, verrät sie dann ja doch im Detail, wie der erste Band endet 😉 —

Klappentext

Die letzten drei Jahre waren für den 16-jährigen Seph McCauley alles andere als ein Kinderspiel, er wurde von einer Privatschule nach der anderen verwiesen. Dafür kann er jedoch nichts: Seph hat magische Fähigkeiten, die er leider nie richtig zu beherrschen gelernt hat. So stolpert er von einer Katastrophe in die nächste. Nachdem er auf einer Party aus Versehen einen Brand auslöst, wird Seph schließlich auf ein abgeschottetes Jungeninternat geschickt. Gregory Leicester, der Direktor der Schule, will ihn höchstpersönlich in Magie unterrichten. Doch schon bald ahnt Seph, dass dieser nichts Gutes im Schilde führt …

Wie es mir gefallen hat

Der Roman wird wie bereits „Das Erbe der Krieger“ auktorial erzählt, diesmal jedoch weitestgehend aus der Sicht von Joseph „Seph“ McCauley.

Den Einstieg macht hier wieder ein Prolog, der aus meiner Sicht diesmal besser gepasst hat – um den Einstieg zu erleichtern, fasst er noch einmal die wichtigsten Fakten der Welt zusammen, deutet einige Entwicklungen nach dem Ende des ersten Bandes an und führt gleichzeitig einen neuen großen Spieler an: ein Hacker, der sich der Drache nennt. Der Drache steht in Verbindung mit Seph, was ihn zur Zielscheibe der Zauberer macht.

Anders als Jack aus dem ersten Band weiß Seph um die Tatsache, dass er ein Zauberer ist. Auch wenn er keine formale Ausbildung genossen hat und seine Magie nur schwer kontrollieren kann. Besonders nach dem Tod seiner Ziehmutter Genevieve, einer Hexerin. Sie hatte ihm die Grundlagen der Magie gelehrt, ebenso wie ein gesundes Misstrauen gegenüber anderen Zauberern. Aber wer seine Eltern waren, hat sie ihm nicht verraten – auch sein neuer Vormund, eine Anwaltskanzlei, schweigt sich darüber aus, was Seph ein großes Rätsel aufgibt.

Aber das ist bald nicht mehr sein größtes Problem: Als auf einer Party seine Kräfte verrückt spielen, bricht ein Brand aus, der einer jungen Frau das Leben kostet. Sein Vormund schickt ihn daraufhin nach The Havens, ein Jungeninternat, dass sich auf Problemfälle spezialisiert hat. Offiziell zumindest, den inoffiziell sucht der Direktor Leicester nach unausgebildeten Zauberern, die er für seine Ziele rekrutieren kann. Auch Seph fällt ihm auf – als Seph jedoch nicht bereit ist, Leicesters elitärem Club beizutreten, ohne genau zu wissen, worauf er sich einlässt, muss er lernen, dass der Direktor zu allem bereit ist, seine Ziele durchzusetzen.

Ich brauchte ein bisschen, um mit Seph warm zu werden, da er gerade am Anfang etwas arrogant wirkte und ich sein Verhalten manchmal nicht nachvollziehen konnte – er wuchs jedoch sehr schnell an den Problemen, die auf ihn niederbrachen und wurde mir immer sympathischer. Er ist ein Junge, der nicht weiß, wo er herkommt und der auf der Suche nach jemandem ist, der ihm beibringen kann, wie er seine magischen Kräfte nutzen kann. Aber dafür ist er nicht bereit, jeden Preis zu zahlen.
Ein bisschen hat es mich gestört, dass der Verarbeitung des Todes der jungen Frau nicht mehr Raum gegeben wurde. Zwar hat Seph Schuldgefühle, aber es wird irgendwann einfach fallengelassen, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass es wirklich abgeschlossen war – aber vielleicht wird es im nächsten Teil noch aufgegriffen. Viel Zeit und Ruhe zu trauern hatte Seph ja nun auch nicht.

Auch diesmal gibt es wieder einige interessante Nebenfiguren – vor allem der junge Zauberer Jason sticht hervor, der sich ebenfalls Leicester widersetzt hat und zu Sephs einzigem Verbündeten unter Feinden wird. Da ein großer Teil der Geschichte in einem Jungeninternat spielt, ist es nicht unerwartet, dass es nur wenige neue Frauenfiguren gab – dafür hat mir Madison sehr gefallen, der es gut gelingt Seph, der es gewohnt ist, zu kriegen, was er will, auch mal in seine Schranken zu weisen.
Ab der zweiten Hälfte des Romans – über die ich hier nicht so viel verraten möchte 😉 – tauchen dann auch wieder ein paar bekannte Gesichter  auf. Auch wenn der Fokus weiterhin auf Seph liegt, erfährt man so auch, wie es mit den lieb gewonnenen Helden aus dem ersten Band weiterging, was mir gut gefallen hat.

Die größte Schwäche des ersten Bands – die Vielzahl an langen und sich wiederholenden Infodumps – findet sich im zweiten Band nicht mehr so stark. Einige Fakten werden hier zwar auch öfters aufgegriffen, aber es ist weniger weitschweifig wie im ersten Band, sodass es mich nicht mehr so sehr gestört hat. Eine andere Schwäche findet sich jedoch auch hier wieder: Die Gegenspieler sind sehr eindimensionale, sadistische, machthungrige Klischeebösewichte, die andere für ihre Zwecke manipulieren. Das finde ich immer etwas Schade, da es Potential für Gewissenskonflikte der Hauptfiguren verschenkt.
Aber auch diesmal gab es sehr viele überraschende Wendungen, gerade zum furiosen Ende hin – zwar hatte ich schnell eine Ahnung, wer Sephs Eltern waren, aber zumindest konnte ich mich so freuen, richtig gelegen zu haben 😉

Fazit

„Das Vermächtnis der Zauberer“ ist eine gelungene Fortsetzung, die vieles besser macht als sein Vorgänger. Der Roman weißt zwar immer noch den ein oder anderen Mangel auf, überzeugt aber mit seiner Spannung, die einen nicht mehr loslässt, sobald sie einen erstmal gepackt hat.

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