„Schnee wie Asche“ von Sara Raasch

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Schnee wie Asche (OT: Snow Like Ashes) | 464 S. | Fantasy | cbt | ISBN 978-3-570-30969-8

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Klappentext

Sechzehn Jahre sind vergangen, seit das Königreich Winter in Schutt und Asche gelegt und seine Einwohner versklavt wurden. Sechzehn Jahre, seit die verwaiste Meira gemeinsam mit sieben Winterianern im Exil lebt, mit nur einem Ziel vor Augen: die Magie und die Macht von Winter zurückzuerobern. Täglich trainiert sie dafür mit ihrem besten Freund Mather, dem zukünftigen König von Winter, den sie verzweifelt liebt. Als Meira Gerüchte über ein verloren geglaubtes Medaillon hört, das die Magie von Winter wiederherstellen könnte, verlässt sie den Schutz der Exilanten, um auf eigene Faust nach dem Medaillon zu suchen. Dabei gerät sie in einen Strudel unkontrollierbarer Mächte …

Wie es mir gefallen hat

„Schnee wie Asche“ wird von Meira in der ersten Person, Gegenwart erzählt. Der Stil liest sich sehr angenehm, auch wenn mich am Anfang ein, zwei Anglizismen irritiert haben, die für mich in einer Fantasywelt wenig zu suchen hatten.

Meira ist eine der letzten freien Überlebenden des Volkes der Winterianer, die von den Frühlingianern unterworfen und versklavt wurden. Sie selbst erinnert sich nicht mehr an das Land Winter, da sie ebenso wie König Mather noch ein Säugling war, als ihr Mentor Sir mit einer kleinen Gruppe aus der Hauptstadt Jannuari floh, um den Kronprinz in Sicherheit zu bringen, und sie dabei mitnahm. Seitdem lebt sie im Exil in der Hoffnung, irgendwann die Gelegenheit zu erhalten, die Winterianer zu befreien und Winter wieder aufblühen zu lassen.

Die Welt, die in „Schnee wie Asche“ erschaffen wurde, finde ich sehr spannend. Es gibt vier Jahreszeiten-Königreiche und vier Rhythmus-Königreiche. Bei letzteren hoffe ich, dass wir in den folgenden beiden Bänden noch erfahren, warum sie Rhythmus-Königreiche heißen. Die Jahreszeiten-Königreiche haben ihren Namen daher, dass in dem Königreich nur die namensgebende Jahreszeit herrscht. Jedes Königshaus besitzt eine Magsignie, einen magischen Gegenstand, welcher der weiblichen oder männlichen Abstammungslinie des Königshauses starke magische Macht verleiht, die unter anderem dem König oder der Königin die Möglichkeit bietet, sein Volk bis zu einem gewissen Grad zu lenken. Ein sehr interessantes Konzept.

Winters Magsignie wird auf weiblicher Linie weitergegeben, sodass Mather sie selbst dann nicht nutzen könnte, wenn sie das Medaillon überhaupt besäßen. Denn als Frühlings König Angra die letzte Königin Winters tötete, zerstörte er das Medaillon und versteckte beide Hälften. Aber auch, wenn es in Mathers Händen nutzlos wären, sind die Exilanten immer noch auf der Suche danach. Sie hoffen, wenn sie zumindest eine Hälfte davon in ihre Finger bekämen, dass sie eines der anderen Königreiche überzeugen könnten, ihnen im Kampf gegen Frühling zu helfen.

Schließlich ist es Meira, der es gelingt, eine der Hälften aus ihrem sicheren Versteck zu stehlen und der Gruppe so neue Hoffnung zu geben. Wobei ich gestehen muss, dass ich es etwas unrealistisch fand, dass einem 16-jährigen Mädchen, dass zwar gut trainiert, aber nicht sehr kampferprobt ist, gelingt, was gestandenen Kriegern zuvor 16 Jahre lang nicht gelungen war. Und sich dann auch noch erfolgreich gegen den Mann zur Wehr zu setzen, der in ganz Winter für seine Grausamkeit am meisten gefürchtet wird!

Mit der Medaillonhälfte machen sie sich schließlich auf den Weg in das Land Cordell, in dem sie hoffen, Verbündete zu finden. Und der König ist wirklich bereit, ihnen zu helfen. Auch wenn Meira einen hohen Preis dafür zahlen muss: Um Winter und Cordell aneinander zu binden, soll sie den Kronprinzen Theron heiraten. Dabei hat sie doch schon immer Mather geliebt.

Meiras Liebe zu Mather wurde bereits auf dem Klappentext erwähnt und kam daher nicht sehr überraschend. Dadurch, dass sie zusammen aufgewachsen sind, verbindet sie ein tiefes Band und Meira sah schon immer zu ihrem zukünftigen König in Bewunderung auf. Aber da sie nie mehr als ein einfaches Waisenmädchen war, war eine Verbindung zwischen ihnen unmöglich und Meiras Liebe zu Mather glich immer mehr einer Schwärmerei, aus der ohnehin nichts werden konnte.
Dass mit Theron ein weiterer Spieler das Feld betrat, kam im Grunde auch nicht sehr überraschend, da Dreiecksbeziehungen und Eifersüchteleien doch irgendwie die Regel zu sein scheinen. Theron fand ich als Figur gleich sehr sympathisch – er ist charmant, liebenswürdig und wäre lieber ein Künstler als ein König. Ebenso wie Meira ist er ein unfreiwilliger Spielball in dieser Verlobung – eine Gemeinsamkeit zwischen ihnen, durch die sie direkt eine Verbindung zueinander spüren, ein gegenseitiges Verständnis. Die Gefühle, die Meira nach und nach für ihn entwickelt, sind dadurch auch irgendwie reifer als ihre kindliche Schwärmerei für Mather.

Ein zentrales Motiv in „Schnee wie Asche“ war, welche Rolle einem als einzelnen zukommt, wenn es darum geht, ein Land zu retten. Meira, Mather und Theron sind Schachfiguren in diesem Kampf, die eine bestimmte Rolle spielen wollen, ob sie es wollen oder nicht. Mather fügt sich in sein Schicksal und in die Rolle des Königs, während Theron versucht, immer einen Teil seiner selbst zu bewahren und das Beste aus einer Situation zu machen, auch wenn das Schicksal gegen einen ist. Meira ist noch auf der Suche danach, wie sie sich am besten in das große Ganze einfügen und ihre Rolle spielen soll. An sich ein sehr schönes Motiv, aber bei der Darstellung, die viel aus Meiras herumwandernden Gedanken bestand, fehlte mir manchmal der rote Faden und ich konnte nicht ganz folgen, wie genau Meira zu ihren Entscheidungen kommt und warum sie ihre Meinungen wieder ändert. Das war dann manchmal etwas verwirrend, wenn ich dann nicht nachvollziehen konnte, warum sie denn überhaupt plötzlich so sauer auf die anderen war. Obwohl sie relativ viel hin und her denkt, hatte ich auch manchmal das Gefühl, dass sie nicht weit genug dachte.

Nach einem schmerzhaften Verrat in der Mitte, gibt es zum Ende noch einige große Wendungen, die vieles in ihren Grundfesten verändern, aber nicht immer soo überraschend kamen. Zumindest eine große Wendung hatte sich mir relativ früh aus den Visionen erschlossen, die Meira im Laufe der Handlung hatte. Aber nachdem dann – endlich – auch bei Meira der Groschen fiel und sie alles zusammensetzte, war das Ende doch noch sehr rund und hat mir gut gefallen. Es wurden genug Fragen beantwortet, dass der Roman auf eigenen Beinen stehen kann, aber es liegt immer noch genug im Argen, dass ich neugierig auf die Fortsetzung bin.

Fazit

Auch wenn ich an einigen Stellen Meiras Gedankensprüngen nicht so ganz folgen konnte, es manchmal etwas vorhersehbar war, konnte „Schnee wie Asche“ mich doch im Großen und Ganzen überzeugen. Die Geschichte war spannend und ließ sich flott herunterlesen. Die Liebesgeschichte hat sich auch nicht zu sehr in den Vordergrund gedrängt, sondern war wohldosiert. Auf den zweiten Teil der Trilogie, der im Herbst auf Englisch und dann hoffentlich auch bald darauf auf Deutsch erscheinen wird, bin ich schon sehr gespannt.

bewertung-4

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