„Meine kleinen Morde“ von Helene Tursten

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Meine kleinen Morde (OT: Mina mindre mord och mysterier) | 256 S. | Krimi | btb | ISBN 978-3-442-74852-5

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Klappentext

Irene Huss ist zum traditionellen Krebsessen in der Nachbarschaft eingeladen. Die Stimmung ist ausgelassen, bis ein gellender Schrei das Fest jäh unterbricht. Eine halbbekleidete panische Frau, die offenbar in einer der Stadtvillen gegenüber wohnt, stürzt in den Garten. Irene Huss verschafft sich Zutritt zu dem Haus und findet den Ehemann blutüberströmt …

Wie es mir gefallen hat

Die dreizehn Kurzgeschichten sind mal leise, mal laut. Mal entführen sie den Leser in die Abgründe der Seele. Mal ist es nur eine Verkettung unglücklicher Umstände. Aber (fast) immer gibt es eine Leiche.

Den Anfang macht „Toter Winkel“, eine Weihnachtsgeschichte, in der Irene Huss auf Geschenkejagd geht. Nach einem Zusammenstoß mit einem Taschendieb nimmt ihr Ausflug ins Einkaufszentrum eine blutige Wendung. Die Auflösung des Falls fand ich etwas zu simpel, aber es las sich auch mehr wie eine kleine Charakterstudie, die für Leser, die Irene Huss schon aus dem Fernsehen oder Romanreihe kennen, sicher noch amüsanter ist.

Die zweite Geschichte, „Ältere Dame sucht Weihnachtsfrieden“ hat mir gleich schon um Längen besser gefallen. Die rüstige Maud erinnert sich Weihnachten auf dem Friedhof an ihr ereignisreiches Leben, wie sie sich Jahre um ihre kranke Schwester kümmert, nach ihrem Tod die Welt bereiste und seit der Rente friedlich und zurückgezogen in ihrer Wohnung lebt. Doch ein Problem überschattet seit einiger Zeit den Hausfrieden – und Maud hat beschlossen, sich heute endlich darum zu kümmern. Maud ist ein toller, vielschichtiger Charakter, über den ich gerne gelesen habe – sehr resolut und einfallsreich, kein bisschen tatterig, auch wenn sie diese Vorurteile gerne zu ihrem Vorteil nutzt.

„Die Todsünde“ handelt von einem gebildeten Mann, der sein ganzes Leben unter Impotenz leidet und sich in psychotherapeutische Behandlung gibt. Die Therapeutin sieht einen Grund in der streng religiösen Erziehung, in der Sex vor der Ehe eine Todsünde war. Aber da sind noch die Albträume, die ihn jede Nacht plagen und weit mehr sind, als nur Träume. Als die unterdrückten Erinnerungen an die Oberfläche brechen, beschließt er, den Grund der Albträume auszumerzen.
Es ist eine insgesamt spannende Geschichte, wobei mir die religiöse Thematik gegen Ende zu sehr ins reißerische und klischeehafte abrutschte.

In „Die unglückliche Braut“ begibt sich ein junges Paar auf die Suche nach ihrem Traumhaus. Als der Besichtigungstermin überrannt ist, sind sie zunächst erschrocken, doch wie sich herausstellt, sind die meisten Besucher aus einem ganz anderen Grund anwesend: Auf einem der Fotos des Hauses ist am Fenster der Geist einer Braut zu sehen. Dieses Bild lässt die junge Frau nicht mehr los und sie versucht in Erfahrung zu bringen, wer diese Braut war und warum sie so traurig wirkte. Die Geschichte war berührend, aber erinnerte mich mehr an eine Schauergeschichte, als an einen Krimi.

„Ein seltsames Verschwinden zu Mittsommer“ geht wieder mehr in die klassische Krimiecke. Christian – Makler und Frauenheld – wittert das Geschäft seines Lebens, aber verschwindet spurlos. Irene Huss beginnt zu ermitteln, aber Christians Verschwinden gibt ein großes Rätsel auf. Von der Idee her fand ich die Geschichte nicht schlecht, aber die Wendung am Ende habe ich schnell vorausahnen können.

„Ältere Dame auf Reisen“ ist ein Wiedersehen mit Maud und liefert uns weitere Einblicke in ihr Leben. Sie ist mit ihren 88 Jahren immer noch unglaublich resolut und clever und wird von ihrem eigenen Sinn für Gerechtigkeit angetrieben. Zu Beginn der Geschichte hadert sie damit, wo sie als nächstes hinreisen soll, da sie bereits die ganze Welt gesehen hat. Aber als sie herausfindet, dass ihre verlorene Jugendliebe erneut heiraten will, weiß sie, wohin ihre nächste Reise geht.

„Der Weihnachtsmann ist tot“ handelt von einem verhängnisvollen Wunsch. Bei einem Treffen mit Freundinnen kurz vor Weihnachten äußert die Erzählerin, schon leicht beschwipst, was sie sich von ihrem perfekten Traummann wünschen würde. Der Wunsch, einmal ausgesprochen, verwandelt sich in einen Albtraum. Eine ganze Weile wusste ich nicht genau, worauf die Geschichte hinauslaufen sollte, bis am Ende dann eine fiese Wendung auf mich wartete.

„Mittwintermord“ ist ein weitere Fall mit Irene Huss. In einem Park wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt und es stellt sich nach und nach heraus, dass es mehrere Menschen in ihrem Leben gab, die ein gutes Motiv hatten. Die Geschichte war durchaus nicht langweilig, aber die ganzen Umstände doch ein bisschen klischeehaft und dadurch zu einfach zu durchschauen.

In „Schritte“ erinnert sich ein alter Mann an eine nächtliche Begegnung mit seinem Jugendschwarm. Nacht für Nacht sah er sie in eine Nachbarwohnung schleichen – was tat sie dort? Eines Nachts stellte er sie dann zur Rede. Diese Geschichte hat mir von allen am wenigsten gefallen – vieles an ihr fand ich sehr vorhersehbar. Zur Hauptfigur konnte ich keinen Draht aufbauen, da er erst zu kindlich-naiv war, dann jedoch seine Seele Abgründe auftat.

„Die Kellerjungen von Unna“ handelt von einem ehrwürdigen Club, der nach neuen Mitgliedern sucht, stattdessen jedoch eines verliert. Ich fand die Geschichte nicht schlecht, konnte aber auch hier nicht wirklich mit den Figuren warm werden. Die Auflösung hier wirkte auch ein bisschen plump, aber die Grundidee, verbunden mit dem Setting fand ich sehr interessant.

„Die übliche Geschichte“ beginnt mit einem Klischee: eine verbotene Liebesbeziehung zwischen einem Mann und einer verheirateten Frau. Doch je weiter sie voranschreitet, umso mehr bricht die Geschichte mit Klischees und wartet mit Überraschungen auf, sodass sie mir doch recht gut gefallen hat.

„Die Wohnungsprobleme einer älteren Dame“ ist die dritte Geschichte mit Maud in diesem Band. Diesmal ärgert sie sich mit einer neuen berühmten Nachbarin herum, deren Einzug Maud ein großes Problem bereitet, welches ihr friedliches Leben zu zerstören droht. Aber wie bereits in den Geschichten zuvor, ist Maud immer noch sehr resolut und weiß sich auf ihre eigene Art zu helfen.

„Im Schein des Krebsmondes“, die Geschichte, die der Klappentext beschreibt, bildet den Abschluss der Sammlung: Statt zu ausgelassen den Abend ausklingen zu lassen, muss Irene sich abermals in einen kniffligen Mordfall stürzen, bei dem vieles nicht so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Nicht alle Geschichten haben mir gleich gut gefallen – bei manchen war mir die Auflösung zu einfach, die Motivation zu reißerisch oder ich konnte einfach nicht mit den Figuren warm werden. Bei anderen habe ich dann wieder mitgefiebert, haben mich die ruhigeren Töne und ich wurde von den Entwicklungen überrascht. Mein großes Highlight war definitiv Maud – über jede Geschichte mit ihr habe ich mich sehr amüsiert und hätte auch gut ein ganzes Buch über sie lesen können.
Der Stil liest sich locker und leicht, hat oft eine gute Prise Humor, war manchmal aber auch zu ausufernd und langatmig für meinen Geschmack. Aber ich denke, dass ist auch eine Stärke dieser Kurzgeschichtensammlung: Ich denke, für jeden, der gerne Krimis liest, wird die ein oder andere passende Geschichte dabei sein.

Fazit

„Meine kleine Morde“ ist eine abwechslungsreiche Sammlung kurzer Kriminalgeschichten, die mal mehr und mal weniger begeistern, aber durchweg solide sind. Von der Länge her eignen sie sich perfekt als kleine Krimi-Häppchen für zwischendurch.

bewertung-4

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