„Das Erbe der Krieger“ von Cinda Williams Chima

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Das Erbe der Krieger (OT: The Warrior Heir) | 479 S. | Heroische Fantasy | Blanvalet | ISBN 978-3-442-26970-9

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Klappentext

Er war ein normaler Junge – bis er den Krieger in sich entdeckte …

Der 16-jährige Jack führt ein normales Leben. Bis er vergisst, seine tägliche Medizin zu nehmen. Plötzlich ist er stärker als je zuvor – und tötet aus Wut beinahe einen Mitschüler. Erst danach erfährt Jack die Wahrheit über sich: Er ist ein Weirlind, Mitglied einer Gesellschaft von magisch Begabten, die von zwei miteinander verfeindeten Häusern angeführt wird. Ihre jeweilige Macht wird durch ein magisches Turnier bestimmt, bei dem jedes Haus einen Krieger erwählt, der bis zum Tod kämpft. Und Jack ist einer der letzten Krieger – zu einer Zeit, da beide Häuser nach einem Spieler suchen …

Wie es mir gefallen hat

Die Weirwelt ist geprägt durch die Jahrhunderte alte Rivalität der Häuser der Roten und der Weißen Rose, die ihren Höhepunkt in den Rosenkriegen fand. Doch die Zauberergilde, die sich über den anderen Gilden erhaben sieht, kämpft längst nicht mehr selbst gegeneinander, sondern schickt Krieger in das Turnier, das darüber bestimmt, welches Haus bis zum nächsten Turnier herrschen darf. Und ein solches Turnier steht wieder kurz bevor.

„Das Erbe der Krieger“ wird auktorial erzählt, zum Großteil aus Jacks Sicht, bietet aber auch kurze Einblicke in die Perspektive einiger Nebenfiguren. Als Leser begleitet man Jack dabei, wie er nach und nach die Wahrheit über sich und die Weirwelt erfährt, daran wächst und sich schließlich seinem größten Kampf stellt. Jack ist ein sehr sympathischer Junge. Er ist intelligent, sportlich, aber auch etwas schüchtern, wenn es um seinen neuen Schwarm Ellen geht. Obwohl er nicht davor gefeit ist, in der Wut auch mal einen Fehler zu begehen, hat er doch das Herz am richtigen Fleck. Das zeigt sich besonders, wenn er sich dem letzten Kampf stellt und trotz allem seine Menschlichkeit bewahrt.

Die zahlreichen Nebenfiguren sind auch größtenteils vielschichtig gezeichnet.

Jack zur Seite stehen seine guten Freunde Will und Fitch, die anfangs nichts von der Weirwelt wissen, nach und nach aber auch darin verstrickt werden. Will ist sehr warmherzig und hat einen starken Beschützerinstinkt. Fitch zeichnet dagegen besonders sein Scharfsinn aus. Auch Ellen ist eine sehr interessante Figur. Sie ist ebenfalls sehr intelligent und kann gut für sich selbst einstehen, was sie mir gleich sehr sympathisch gemacht hat. Im weiteren Verlauf überrascht sie mit einigen neuen Facetten, die ich hier aber natürlich nicht verraten werde 😉

Jacks Mutter Becka, die als normaler Mensch nichts von Jacks besonderen Gaben weiß, ist überbeschützend und eigentlich eine starke Frau. Aber dadurch, dass ihr die magischen Kräfte fehlen, wird sie leicht zu einem Spielball der rivalisierenden Kräfte und dadurch zu einer Schwachstelle für Jack.

Jacks Tante Linda gehört als Betörerin einer der niedrigeren Gilden der Weirwelt an und sieht sich dafür verantwortlich, ihren Neffen aus den tödlichen Kämpfen herauszuhalten, auch wenn sie sich selbst dafür in große Gefahr begeben muss. Als einziges Mittel sieht sie, Jack so gut auszubilden, dass er sich gegen angreifende Zauberer zur Wehr setzen kann, und sucht ihm einen passenden Mentor: Leander Hastings, ein Zauberer, der keinem der Häuser angehört, und Jack gewissenhaft im Kampf ausbilden soll. Aber er verfolgt auch seine eigenen Ziele – denn durch die Machtkämpfe der Weißen und Roten Rosen hat er als Kind seine Familie verloren.

Die typischen Highschool-„Bösewichte“, der aggressive Schlägertyp Lobeck und Jacks arrogante Ex Leesha, werden als eher eindimensional gezeichnet. Was aus Jacks Sicht aber auch nicht zu verwunderlich ist. Leider bleiben jedoch auch die wirklichen Bösewichte größtenteils finstere Pappkameraden, die außer abgrundtief böse und überheblich zu sein, keine weiteren Charaktereigenschaften zu haben scheinen, während es auf der guten Seite durchaus auch einige Grauschattierungen gibt. Da hat man ein bisschen das Potential verschenkt. Denn so blieben die Antagonisten eher blass und als Individuen nicht wirklich im Gedächtnis haften. Für sie schien nichts außer dem Verlust ihrer Macht und ihres Prestiges auf dem Spiel zu stehen.

Die Handlung brauchte für mich etwas, um in Fahrt zu kommen – es fühlte sich so an, als hätte die Geschichte gerade erst richtig angefangen, als ich schon weit über die Hälfte hinaus war. Grund dafür ist meiner Meinung nach eine der eigentlichen Stärken des Romans: die ausgeklügelte Welt. Denn es wurde sich viel Zeit genommen, die Welt mit ihren Regeln und ihrer Geschichte aufzubauen. Leider wurde das oft nicht organisch in die Handlung eingewebt, sondern durch Infodumps gelöst, die sich dann auch noch öfters wiederholten. Wenn dann zum Beispiel für Jacks Freunden Will und Fitch alles wichtige noch einmal zusammengefasst wird und dabei nur ein kleines bisschen neue Information hinzukommt, zieht sich das dahin. Ähnlich wirkte auf mich auch der Prolog am Anfang – denn was da passierte wurde Jack ohnehin später noch einmal erzählt. Das hätte man dann gut raffen können. Ein weiterer Nachteil des Prologs: ein Teil der Spannung ging dadurch verloren, da man die Motivation von zwei Figuren, die schlussendlich zu Gegenspielern werden sollten, schon recht gut einschätzen konnte. Da wäre es vielleicht spannender gewesen, das offen zu lassen und den Leser selbst noch etwas mehr rätseln zu lassen. Obwohl an sich viel passierte, las es sich durch die häufig wiederholten Erklärungen manchmal etwas langatmig.

Dennoch, die Handlung ist sehr logisch und schlüssig aufgebaut und bietet einige überraschende Wendungen. Teilweise sehr unerwartet, auch wenn sie sich rückblickend sehr gut in das Gesamtbild einfügen. Besonders der Clou am Ende. Eine andere große Wendung war leider relativ früh für mich viel zu offensichtlich, andererseits in gewissen Weise auch unvermeidbar.

Den Stil empfand ich insgesamt als angenehm, auch wenn er durch nichts besonders hervorstach. Besonders die Kampfszenen lasen sich überaus spannend.

Fazit

Besonders das Konzept der Welt hat mir sehr gut gefallen, war stimmig und bot viel Konfliktpotential. Das entfaltete sich leider erst wirklich im letzten Drittel, da am Anfang der langsame Aufbau der Welt und Jacks Entwicklung im Vordergrund standen. So war es lange Zeit zwar sehr interessant, aber nicht wirklich so fesselnd, wie ich es mir erhofft hätte. Aber als Einstieg in eine Reihe hat „Das Erbe der Krieger“ ein gutes Fundament geschaffen, auf dem die folgenden Bände aufbauen könne. Ich sehe hier noch ein großes Potential nach oben und bin daher schon sehr gespannt auf „Das Vermächtnis der Zauberer“.

 

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