„Extinction“ von Kazuaki Takano

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Extinction (OT: Jenosaido) | 559 S. | Thriller | C. Bertelsmann | ISBN 978-3-570-10185-8

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Klappentext

Ist die nächste Stufe der Evolution das Ende von uns allen?

Jonathan Yeager wird im Auftrag der amerikanischen Regierung in den Kongo geschickt. Bei einem Pygmäenstamm sei ein tödliches Virus ausgebrochen. Die Verbreitung muss mit allen Mitteln verhindert werden. Doch im Dschungel erkennt Yeager, dass es um etwas ganz anderes geht: Ein kleiner Junge, der über unglaubliche Fähigkeiten und übermenschliche Intelligenz verfügt, ist das eigentliche Ziel der Operation. Kann es sein, dass dieses Geschöpf die Zukunft der Menschheit bedroht? Yeager weigert sich, das Kind zu töten. Er setzt alles daran, den Jungen in Sicherheit zu bringen. Eine gnadenlose Jagd auf die beiden beginnt.

Wie es mir gefallen hat

Die Grundidee hinter „Extinction“ ist faszinierend: Was passiert, wenn die Menschheit die nächste Stufe der Evolution erreicht? Wie wird dieser neue Mensch mit der „niederen“ Menschheit verfahren? Und wie sollte die Menschheit auf die Geburt eines höheren Wesens reagieren?

Für die US-Regierung unter Präsident Burns ist die Antwort einfach: Alles, was eine Gefahr für sie darstellen könnte, muss ausgeschaltet werden. Doch noch während die Mission läuft, wird ihnen klar, dass eine überlegenden Intelligenz kein einfacher Gegner ist – selbst wenn sie im Körper eines Kindes steckt.
Einer der Söldner, die für die Geheimmission ausgewählt werden, ist Jonathan Yeager. Yeager lässt sich auf die waghalsige Aktion im Kongo ein, da er dringend Geld für die Behandlung seines todkranken Sohnes braucht. Zu spät erkennt er, worin seine Aufgabe wirklich besteht, und muss eine gefährliche Entscheidung treffen.
Zur selben Zeit erhält der Pharmakologie-Student Kento Koga eine E-Mail seines Vaters, der kürzlich verstorben war. Da er davon ausging, für eine kurze Zeit untertauchen zu müssen, hatte er eine automatische Nachricht für seinen Sohn vorbereitet und ihm eine wichtige Aufgabe zukommen lassen: Mithilfe eines hochentwickelten Computerprogramms soll er ein Heilmittel gegen pulmonale Alveolarepithelzellensklerose entwickeln. Eben jene Krankheit, an der Yeagers Sohn zu sterben droht. Eine Verbindung, die mehr als ein Zufall sein muss.

„Extinction“ hat einen auktorialen Erzähler,  der den Geschichten von Yeager, Koga und der Burns-Regierung folgt.

Ich konnte nicht wirklich mit den Figuren warm werden, auch wenn sie mir zum Großteil nicht unsympathisch waren.
Yeager bekommt etwas sehr menschliches durch seine Sorge um seinen todkranken Sohn – und es ist deutlich, dass seine Vatergefühle auch seinen Umgang mit Akili, der neuen Lebensform, beeinflussen.
Für Kento dagegen steht zu Beginn wenig auf dem Spiel – dadurch war es am Anfang nicht ganz so spannend, ihn dabei zu begleiten, wie er versuchte herauszufinden, welche Aufgabe genau sein Vater ihm aufgetragen hatte. Aber nachdem er begreift, dass das Medikament, welches er entwickeln soll, hunderttausenden Kindern das Leben retten könnte, entwickelt sich sein Kampfgeist und es hat um einiges mehr Spaß gemacht, seine Kapitel zu lesen.
Auf Seiten der Burns-Regierung gewinnt man gleich Einblick in die Gedanken ganz unterschiedlicher Figuren – vom faszinierten Wissenschaftler bis hin zum leicht paranoiden Präsidenten. Zum Ende, als der Konflikt sich zuspitzte, war es sehr spannend zu verfolgen, wie die Regierung mit der Bedrohung durch eine neue Spezies umging. Davor zog es sich manchmal auch ein bisschen hin – was vielleicht auch daran lag, dass ich die Entwicklungen bei Yeager und Koga um einiges spannender fand.
Aber dennoch blieb irgendwie immer ein Gefühl der Distanz zwischen mir und den Figuren. Sehr faszinierend waren sie dennoch.
Ein Kritikpunkt bleibt dennoch: Obwohl es insgesamt an Figuren wirklich nicht mangelt, kann man die auftretenden Frauen an einer Hand abzählen. Das fand ich etwas schade, da viele der Rollen auch von Frauen hätten übernommen werden können. Es müsste ja nicht einmal das Söldner-Team sein, aber in der US-Regierung oder in Kogas Umfeld hätte es auch mehr Frauen geben können.

Mit dem Schreibstil bin ich manchmal etwas angeeckt. Es war nicht immer einfach, der wissenschaftlichen Sprache zu folgen, aber das gehört zum Genre des Wissenschaftsthrillers dazu. Einige Sätze waren auch etwas holprig oder ließen mich eine Weile über ihre Aussage grübeln, was vermutlich an der Übersetzung liegt. „Extinction“ wurde nicht direkt aus dem Japanischen übersetzt; stattdessen diente die englische Übersetzung als Grundlage. Da ist es unvermeidbar, dass es zu Ungenauigkeiten kommt. Ohne das Original und die englische Übersetzung zu kennen, ist es schwer, das wirklich einzuschätzen – aber wenn mir (und da spricht die besserwisserische Japanologin) ohne beides zu kennen relativ am Anfang schon ein Fehler ins Auge springt, ist das etwas unglücklich.
Aber nachdem ich mich einmal reingelesen hatte, ging es doch recht flott und mir blieb gar nicht mehr die Zeit, auf mögliche Übersetzungsfehler zu achten 😉

Fazit

Ich brauchte ein bisschen, um mit „Extinction“ warm zu werden, jedoch ungefähr ab dem zweiten Drittel konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen, bis ich es zu Ende gelesen hatte. Der Stil ist nicht herausragend, ließ sich nach ein bisschen Eingewöhnung aber auch gut lesen. Die meisten Figuren wachsen einem zwar nicht wirklich ans Herz, sind aber interessant und ich konnte ihre Motive meist nachvollziehen. Besonders konnte „Extinction“ mich durch die Grundidee überzeugen und deren Umsetzung.

bewertung-4

One comment

  1. Mira Alexander says:

    Hallo Dahlia,

    kennst Du „Das Darwin-Virus“ und „Die Darwin-Kinder“ von Greg Bear? Auch dort geht es um die nächste Stufe der Evolution und unseren Umgang mit den Betroffenen.

    Grüße,
    Mira

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