„Die Falle“ von Melanie Raabe

Die Falle von Melanie Raabe

Die Falle | 352 S. | Thriller | btb Verlag | ISBN 978-3-442-75491-5

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Klappentext

Die bekannte Romanautorin Linda Conrads, 38, ist ihren Fans und der Presse ein Rätsel. Seit gut elf Jahren hat sie keinen Fuß mehr über die Schwelle ihrer Villa am Starnberger See gesetzt. Trotz ihrer Probleme ist Linda höchst erfolgreich. Dass sie darüber hinaus eine schreckliche Erinnerung aus der Vergangenheit quält, wissen nur wenige. Vor vielen Jahren hat Linda ihre jüngere Schwester Anna in einem Blutbad vorgefunden – und den Mörder flüchten sehen. Das Gesicht des Mörders verfolgt sie bis in ihre Träume. Deshalb ist es ein ungeheurer Schock für sie, als sie genau dieses Gesicht eines Tages über ihren Fernseher flimmern sieht. Grund genug für Linda, einen perfiden Plan zu schmieden – sie wird den vermeintlichen Mörder in eine Falle locken. Doch was ist damals in der Tatnacht tatsächlich passiert?

Wie es mir gefallen hat

Ich hatte im Vorfeld ein paar Rezensionen gelesen, die mich sehr neugierig gemacht haben – da ich selbst schreibe, reizen mich Romane um Autoren gleich noch ein bisschen mehr. Entsprechend war ich sehr dankbar, als der btb Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Und was soll ich sagen? Einen Tag, nachdem das Buch bei mir eingetrudelt war, hatte ich es auch schon durchgelesen.

„Die Falle“ wird aus Lindas Sicht in der Ich-Perspektive erzählt und besticht durch eine sehr poetische, bildhafte Sprache. Ich empfand den Stil oft als sehr eindringlich. Dadurch, dass der Roman im Präsens erzählt ist, erhält er zudem etwas sehr unmittelbares.

Ein besonderes Erzählmittel sind die Auszüge aus Lindas Roman, in dem sie die Geschichte des Mordes an ihrer Schwester festhält und den sie schreibt, um den Mörder in ihre Falle zu locken. Sie weben auf eine ungewöhnliche Weise die Vergangenheit in das Geschehen der Gegenwart ein. Die einzelnen Auszüge liefern immer wieder kleine Enthüllungen und Hinweise auf die Haupthandlung, wobei sich immer die Frage stellt, wie viel von Linda wirklich in ihrer Romanfigur Sophie steckt und wie authentisch das Bild nun wirklich ist, was sie von ihrer Schwester Anna bzw. Britta zeichnet.

Durch die kurzen, knackigen Kapitel liest es sich sehr rasant und immer wieder habe ich mir gedacht „Ach, die Kapitel sind ja so kurz, eins geht noch.“ Und so ging es bis zur letzten Seite.

Linda ist eine ungewöhnliche Hauptfigur, die mir aber sehr sympathisch war (liegt vielleicht daran, dass ich auch eine eher eigenbrötlerische Autorin bin *lach*). Durch ihre Krankheit ist sie an das Haus, in dem sie lebt, gefesselt, was es für sie umso schwieriger macht, ihre Rache zu bekommen und den Mörder ihrer Schwester zu überführen. Aber sie geht mit sehr viel Planung und Raffinesse an die Falle heran, die sie dem Mörder stellen will. Linda überlässt nichts dem Zufall (oder versucht das), engagiert Experten für Verhörtechniken und spielt in ihren Gedanken mögliche Szenarios durch.

Als sie schließlich dem Täter gegenüber steht, beginnt ein meisterhaftes Katz und Maus Spiel, in dem Linda versucht, dem Täter die Wahrheit zu entlocken – aber nach und nach kommen ihr Zweifel, ob sie den richtigen in ihre Gewalt gebracht hat, und die Grenzen zwischen Lindas Einbildung und der Wirklichkeit scheinen mehr und mehr zu verwischen.

Zum Ende wartet der Roman dann noch mit einigen überraschenden Wendungen auf, bei denen mir der Atem stockte – die sich aber zu einem perfekten Bild zusammenfügen. Die Auflösung fand ich auch sehr überzeugend und ließ keine offenen Fragen zurück.

Fazit

„Die Falle“ ist ein meisterhaft erzählter Thriller voller überraschender Wendungen, der mich beim Lesen schnell in seinen Bann gezogen hat. Ein rundum überzeugendes Debüt, das Lust auf mehr macht.

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