„Ich fürchte mich nicht“ von Tahereh Mafi

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Ich fürchte mich nicht (OT: Shatter Me) | 336 S. | Dystopie | Goldmann | ISBN 978-3-442-47849-1

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Klappentext

„Du darfst mich nicht anfassen“, flüstere ich. Bitte fass mich an, möchte ich in Wahrheit sagen. Aber wenn man mich anfasst, geschieht Seltsames. Schlimmes.

Ihr Leben lang war Juliette einsam, eine Ausgestoßene – ein Monster. Ihre Berührung ist tödlich, man fürchtet sie, hat sie weggesperrt. Bis die Machthaber einer fast zerstörten Welt sich ihrer als Waffe bedienen möchten. Doch Juliette beschließt zu kämpfen – gegen die, die sie gefangen halten, gegen sich selbst, das Dunkel in ihr. Für ihre Liebe. Und für den Zauber der Berührung …

Wie es mir gefallen hat

Die Geschichte wird von Juliette in der Ich-Perspektive, Gegenwart erzählt, wodurch man alles sehr unmittelbar erlebt. Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass mit Durchstreichungen als Stilmittel gearbeitet wird und besonders in Stresssituationen die Sätze oft abgehakt sind, Interpunktion wegfällt und mit Absätzen gespielt wird. Der Stil, der insgesamt sehr poetisch ist, erschwerte mir am Anfang etwas den Zugang zu der Geschichte. Gerade die Durchstreichungen waren sehr ungewohnt. Aber nach den ersten Kapiteln hatte ich mich in die Geschichte reingelesen und kam zügig voran.

Mit ihrer Gabe/ihrem Fluch ist Juliette eine spannende Hauptfigur für eine Dystopie. Ihre Fähigkeit, Menschen bei Berührung Energie zu entziehen, hat mich wohl ein bisschen an Rogue aus den X-Men Filmen erinnert – was aber prinzipiell nichts schlechtes zu bedeuten hat. Es gibt ja kaum noch wirklich unverbrauchte Ideen. Die leichten Parallelen lassen sich im Grunde auch schon mit der Angst andere versehentlich zu verletzen und einem in dieser Hinsicht traumatischen Erlebnis in der Vergangenheit zusammenfassen.
In der Umsetzung finde ich Juliette da als Hauptfigur sehr gelungen – trotz ihrer einsamen Kindheit, in der sie keine Liebe erfahren hatte, hat sie sich Mitgefühl für andere bewahrt und handelt selbstlos, auch wenn sie dafür nichts zurückbekommt. In Folge des traumatischen Ereignisses, bei dem der Leser erst nach und nach erfährt, was damals passiert ist, hat sie sie die letzten Jahre in Isolierhaft verbracht, bis das Reestablishment ihre Kräfte missbrauchen will. Aber dadurch, dass sie niemanden verletzen will, weigert sie sich schließlich auch, zu einer Waffe zu werden und kämpft um ihre Freiheit.

Die in Romanen für junge Frauen fast schon obligatorische Dreiecksbeziehung wird auch hier angelegt: Adam, den Juliette schon seit ihrer Kindheit liebt, ihr zur Flucht verhelfen will und ein von Grund auf lieber Kerl ist, steht dem sadistischen und düsteren Warner gegenüber, der wie besessen von Juliette ist und sie als Waffe benutzen will. Juliettes Entscheidung fällt – wie zu erwarten – sehr schnell und sehr eindeutig auf Adam. Zunächst zumindest – da noch zwei Bände vor mir liegen und es nie so einfach sein darf, bin ich auf einiges an Liebesdrama vorbereitet. Ich bin bei solchen Beziehungskisten immer sehr verhalten, ob ich mich darauf freuen soll oder nicht, da mir das hin und her in der Regel eher auf die Nerven geht und mir die eigentliche Handlung wichtiger wäre.
Dann habe ich auch oft das Pech, dass mir derjenige der beiden Herren am besten gefällt, für den sich die Heldin am Ende nicht entscheidet. Und das ist dann doch meist sehr frustrierend. Aber ich bleibe hier erstmal gespannt – und dankbar, dass Warner zwar an sich interessanter als Adam ist, aber für meinen Geschmack dann doch die Grenze zum Bad Boy schon weit genug überschritten hat, dass mein schwaches Shipper-Herz nicht gleich Feuer und Flamme ist ;-).

Die weiteren Nebenfiguren haben mir auch sehr gefallen – da sie aber allesamt erst wirklich im zweiten Drittel auftauchen, will ich hier nicht zu viel verraten. Jedenfalls bin ich schon sehr gespannt, wie sie sich in den folgenden beiden Bänden schlagen. Denn ich bin sicher, dass wir noch sehr viel mehr von ihnen erfahren werden.

Was ich hier auch anmerken möchte: Die Typographie auf dem Cover (und auch das gesamte Cover) finde ich sehr gelungen. Das ist direkt ein richtiger Blickfang.

Fazit

„Ich fürchte mich nicht“ ist der spannende Auftakt einer Trilogie, die in einer düsteren, heruntergewirtschafteten Welt spielt. Juliette ist eine sympathische Hauptfigur, mit der ich sehr gut mitfühlen konnte. Auch die Nebenfiguren konnten mich überzeugen – nur was ich von der Dreiecksbeziehung halten soll, kann ich noch nicht sagen. Da hängt viel für mich davon ab, wie sie sich weiter entwickeln wird. Der Stil hat mir den Einstieg nicht einfach gemacht, aber er fesselt, sobald man sich an ihn gewöhnt hat.

Ich bin schon sehr gespannt, wie es im zweiten Band weitergehen wird und wie einige der Fragen, die mir unter den Nägeln brennen, beantwortet werden.

bewertung-4

 

 

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